­čĆŚ | Anschaffung und Einf├╝hrung einer neuen Baumaschine

In der Agile Homes GmbH arbeiten 20 Mitarbeiter auf den Baustellen sowie f├╝nf im B├╝ro und der Chef. Die 20 Bauarbeiter sind aufgeteilt auf vier Baustellen-Teams, sodass das Unternehmen bis zu vier Baustellen gleichzeitig abwickeln und betreuen kann.

In jedem der vier Baustellen-Teams gibt es einen Vorarbeiter, der die Arbeiten vom Team koordiniert und mit dem Chef sowie den anderen Teams abstimmt. Zur Vereinfachung der Abstimmungen wurden die Teams alphabetisch gekennzeichnet (A – D).

Im (Hitze-)Sommer 2019 ist in Team B aufgefallen, dass die Maschine zum Betonmischen einen deutlichen Leistungsabfall zeigt, wenn es zu hei├č wird. Begr├╝ndet lieg der Leistungsabfall nach eigenen Recherchen im Antriebsstrang der Maschine. Die Team-Mitglieder gehen auf ihren Vorarbeiter zu und schildern ihm das Problem.

J├Ârg, die Betonmischmaschine ist f├╝r diese Hitze nicht ausgelegt. Wenn wir zuk├╝nftig weiterhin die Projekte in der gewohnten Geschwindigkeit abwickeln m├Âchte, sollten wir die Maschinen aller Team z├╝gig ersetzen.

Je nach Model der neuen Maschine k├Ânnten wir sogar effizienter arbeiten und Projekte schneller abschlie├čen.

Manni zu J├Ârg dem Vorarbeiter

Vorarbeiter J├Ârg notiert sich die Bedenken und freut sich dar├╝ber, dass seine Team-Kollegen so engagiert mitdenken.


Am n├Ąchsten Montag bringt J├Ârg das Thema in der w├Âchentlichen Besprechung der Vorarbeiter mit dem Chef zur Sprache. Alle Vorarbeiter stimmen zu, ebenfalls einen Leistungsabfall der Maschine in der Hitze bemerkt zu haben, entscheiden aber 3:1, dass dies keine neuen Maschinen rechtfertig und weiterhin gearbeitet wird wie gehabt.

Eine tolle Nachricht, die J├Ârg seinem Team nun verk├╝nden darf. Es stimmt zwar, dass die Maschine bei Hitze weniger effizient arbeitet - es wird aber ignoriert und weitergemacht wie immer.

Das Team ist au├čer sich und bittet J├Ârg das Thema im n├Ąchsten Meeting erneut zur Sprache zu bringen. Zus├Ątzlich verabredet das Team die Kollegen der Teams A, C und D zum Thema zu befragen.


In der n├Ąchsten Woche wei├č J├Ârg von seinem Team, dass auch die anderen Teams in der Hitze erhebliche Probleme mit der Maschine haben. Mit diesem Wissen schafft er es, den Chef davon zu ├╝berzeugen die neuen Maschinen anzuschaffen, obwohl die restlichen Vorarbeiter weiterhin die Meinung vertreten, dass es mit der alten Maschine besser laufen w├╝rde.

Der Chef bittet J├Ârg darum, eine Aufstellung von Vor- sowie Nachteilen der neuen im vergleich zur alten Maschine aufzustellen und abzuw├Ągen, welche Maschine angeschafft werden sollte.

Der Anforderungskatalog ist umfangreich und komplex, da er zahlreiche Vorz├╝ge der alten Maschine beinhaltet, die damals nut auf Sonderwunsch der Firma entwickelt wurden.

Aufgrund der Anforderungen ist es quasi nicht m├Âglich, eine neue Maschine anzuschaffen, da die Sonderw├╝nsche von keinem Hersteller bedient werden. Es handelt sich um Spezialanfertigungen, die zum damaligen Anschaffungszeitpunkt notwendig und innovativ, heute aber v├Âllig ├╝berholt sind.

J├Ârg versucht noch eine ganze Weile eine L├Âsung f├╝r die gestellten Probleme zu finden und entdeckt Maschinenhersteller, die innovative L├Âsungsans├Ątze f├╝r die Probleme bieten, aber v├Âllig andere L├Âsungswege gehen, als die Anforderung zul├Ąsst.


J├Ârg kommt mit gesenktem Kopf ins n├Ąchste Meeting und verk├╝ndet, dass sich einige der Anforderungen aus der historischen Entwicklung heute so nicht mehr zu realisieren sind.

… Nichts desto trotz schl├Ągt J├Ârg in der Runde aus Chef und Vorarbeitern vor, dass sein Team eine favorisierte Maschine testen k├Ânnte, damit die Recherchen nicht v├Âllig umsonst waren.

Die anderen Vorarbeiter sind nicht begeistert und sorgen sich darum, dass die Abl├Ąufe der Firma durch den Testlauf aus dem Ruder ger├Ąt. Der Chef jedoch willigt ein und gibt J├Ârg und seinem Team eine Chance.


Einige Wochen sp├Ąter...

Bereits einige Tage nach der Anschaffung ist das Team von J├Ârg beim Betonieren nach einer Einarbeitungsphase von etwa drei Wochen um 1/3 schneller wie die anderen drei Teams.

Leider blocken die restlichen Vorarbeiter weiterhin ab.

  • ÔÇ×Die Einf├╝hrung der Mitarbeiter in die Bedineung kostet zu viel Zeit.ÔÇť
  • ÔÇ×Es gibt keine Langzeiterkenntnisse zur Qualit├Ąt des Betons.ÔÇť
  • ÔÇ×Wir haben es doch schon immer so gemacht.ÔÇť

Und wenn sie nicht gestorben sind,
dann weigern sie sich noch heute.

Sie werden vermutlich immer wieder Anforderungen oder Gr├╝nde (er-)finden, um sich davor zu str├Ąuben eine Ver├Ąnderung vorzunehmen.


Fazit

Die Agile Homes GmbH hat in dieser Geschichte vieles richtig gemacht. J├Ârg und sein Team haben gro├čes Engagement gezeigt und mit den Abw├Ągungen sowie den konstruktiven L├Âsungsvorschl├Ągen im Sinne agiler Methoden gehandelt.

Um so ├Ąrgerlicher, dass diese treibende Kraft durch andere Vorarbeiter derma├čen gebremst werden kann, dass bis heute nur ein Team mit der neuen Maschine arbeitet. Sie arbeitet zwar schneller, zuverl├Ąssiger und erm├Âglichte es dem Team, Projekte nach einer kurzen Einarbeitungsphase zu 1/3 schneller im Vergleich zur alten abzuschlie├čen, sowohl im Sommer als auch in den restlichen Jahreszeiten, und dennoch weigern sich die anderen Teams.

Die anderen drei Teams A, C und D arbeiten weiterhin mit dem Leistungsabfall und ben├Âtigen f├╝r die Projekte weiterhin mehr Zeit.

Es w├Ąre deutlich einfacher, wenn der Chef hier h├Ąrter durchgreifen w├╝rde und daf├╝r sorgen w├╝rde, dass alle Teams die neue Maschine einsetzen. Stattdessen sieht er dabei zu, wie ein Team eine deutliche Steigerung der Effizienz erf├Ąhrt und duldet dennoch, dass die anderen Teams sich weigern.